Von dem 350 Meter hoch gelegenen
Aussichtspunkt Montaña Rajada können
wir eines der eindrucksvollsten Gebiete dieser Landschaft
betrachten: ein unermessliches Lavameer, das den größten
Teil des Timanfaya-Nationalparks einnimmt und sich bis
zum Meer hin ausdehnt. Daraus erheben sich mit dantesken
Kratern gekrönte Vulkankegel. Es ist von langen,
tiefen Rinnen durchzogen, die durch die glühenden
Lavaströme hervorgerufen worden sind.
Die aus den Kratern und Eruptivspalten
hervorgeschleuderten Auswürflinge füllten
die Vertiefungen des Geländes und schafften so
eine horizontale Fläche. Beim Kontakt des glühenden
Lavastroms mit dem Wasser entstanden ungeheure Dampfsäulen,
und durch das sich ins Meer ergießende Magma wurde
die Fläche der Insel erheblich vergrößert.
In den geschichtlichen Aufzeichnungen
des Pfarrers von Yaiza lesen wir folgenden Bericht:
"Am 18. Oktober taten sich drei neue Öffnungen
oberhalb des Dorfes Santa Catalina auf. Aus ihren Schloten
drangen schwere Rauchmassen, die sich über die
ganze Insel verteilen, begleitet von einer großen
Menge Schlacke, Sand und Asche, die auf die gesamte
Umgebung niedergeht. Die Explosionen, die dieses Phänomen
begleiteten, die durch die Aschenmassen hervorgerufene
Dunkelheit, und die Rauchschwaden, welche die ganze
Insel überziehen, zwangen die Bewohner von Yaiza
mehr als einmal zur Flucht."
Ein Großteil des heute
von diesem erstarrten Lavameer bedeckten Gebiets war
vor dem Ausbruch einer der fruchtbarsten Landstriche
der Insel. Er bestand aus Lehmboden, dessen weite Flächen
mit Getreidefeldern durchzogen waren.
Die ganze Gegend war mit kleinen
Ortschaften und einzeln stehenden Bauernhöfen besiedelt;
insgesamt wurden ca. 420 Häuser zerstört.
Die wichtigsten Dörfer waren Timanfaya, Los Rodeos,
Mancha Blanca, Santa Catalina, Mazo, Jarretas, Tingafa,
Peña Palomas, Testeina, La Geria, Macintafe,
Mozaga, Guagaro, Masdache und Iguadén, außerdem
die Landgüter von Maretas und Chupaderos, und die
Johannes-der-Täufer-Kapelle, um nur einige zu nennen.
Die Vulkane, die den Park
von Timanfaya bilden, gehören zur sog. hawaiischen
Gruppe. Diese werfen riesige Säulen von Vulkanasche
aus, Lapilli genannt, die in unserem Fall, vom Wind
getragen, ausgedehnte Flächen sowie Abhänge
und Krater vieler alter Berge bedeckte. Ein ausgezeichnetes
Beispiel für diesen reichhaltigen Lapilli-Regen
ist der Ort mit dem sinnvollen Namen Valle de la
Tranquilidad (Das Tal der Stille).
Das Zentrum des Ausbruchs
lag im Maciso del Fuego (Feuer-Massiv), dessen
höchster Punkt 525 Meter ü.d.M. beträgt.
Bemerkenswert sind die kleineren
Schmarotzerkegel, die sich am Fuße eines größeren
Hauptkegels bilden, wie auch die Hornitos, ein
Wort mit dem in der geologischen Terminologie winzige
Vulkane bezeichnet werden, die normalerweise durch das
gewaltsame Auspuffen der in den glühenden Lavaströmen
eingeschlossenen Gase entstehen. Eine der interessantesten
Ansammlung derselben liegt an der östlichen Seite
des Timanfaya, höchster Berg dieser Gebirgskette.
In nächster Nähe befindet sich auch der beeindruckende
Vulkan Corazoncillo, einer der größten
Explosionskrater von Lanzarote, von dessen Kraterrand
abschüssige Innenwände bis zu seiner Caldera
führen, die tiefer als das äußere Gelände
liegt.
Die letzten Ausbrüche
suchten Lanzarote im Jahre 1824 heim. Sie erfolgten,
wie auch die vorausgegangenen, nach einer langjährigen
Vorbereitungsphase, während der auf der Insel mehrere
Erdbeben mittlerer Stärke registriert wurden. Dieser
Ausbruch zeichnete sich besonders durch die großen
Lavamengen und die riesigen Fontänen kochenden
Salzwassers aus, die aus einigen Kratern aufschossen
und das umliegende Gebiet überschwemmten.
Die Einsamkeit und die Stille,
die in diesen chaotischen Bergen, eindrucksvollen Kratern
und tiefen Calderas herrschen, sind absolut. Eine kuriose
Nebenerscheinung in einem so beeindruckenden Gebiet
stellen die zahlreichen Flechten unterschiedlichster
Arten und Farben dar, die einen Großteil der Felsen
und Schlacken wie einen Teppich bedecken. Höhere
Pflanzen dagegen sind in diesem jungfräulichen
Boden spärlich. Nennenswert ist hier die Binse;
ein Paradox, da sie zum Wachstum normalerweise einen
Boden mit hohem Feuchtigkeitsgehalt benötigt.
Die imponierende Rundfahrt
endet am Hügel Islote de Hilario, der besonders
durch die intensive geothermische Hitze geprägt
wird, die schon in wenigen Zentimetern Tiefe herrscht
und bereits in weniger als einem Meter über 100ºC
betragen kann. Seinen Namen erhielt dieser Hügel
von dem Inselbewohner Don Hilario, der hier die Blätter
einiger am Fuße des Hügels wachsender Feigenbäume
einsammelte, um damit seine Kameldame zu füttern.
Die speziellen vulkanischen
Charakteristika und die außergewöhnliche
landschaftliche Schönheit führten dazu, daß
diese Gegend im Jahre 1974 zum Nationalpark erklärt
wurde.
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